Die Catlins. Ein irgendwie nicht so wirklich bekannter Teil Neuseelands, aber dafür umso schöner. Selbst im Lonely Planet werden die Catlins nur auf einer halben Seite abgefertigt und ich bin eigentlich nur durch Zufall auf meinem Weg von Dunedin nach Invercargill auf diesen Landstrich gestoßen. Aber als ich eine Karte an der iSite bekommen habe und die ganzen Orte gesehen habe, die man dort besuchen kann wusste ich: ich werde sicher länger als die geplanten 2 Tage brauchen. Am Ende waren es vier Tage, ca. 50 Strände, 4 Wasserfälle, 2 Seelöwen und eine Autopanne. Und es war der Hammer!

Nugget Point-9

Von Dunedin nach Invercargill auf der Southern Scenic Route

Nach einigen Tagen in Dunedin bin ich also aufgebrochen, um in den tiefsten Süden Neuseelands zu fahren. Invercargill heißt das Ziel und ich hatte in etwa zwei Tage eingeplant. Kurz vor meinem Aufbruch hat mich der Kollege aus dem Manor Hostel gefragt, wo ich denn hin will. Ich hab es ihm gesagt und er meinte: Nimm nicht die 1! (so heißt der Highway). Fahr an der Küste entlang. Folge den Schildern mit dem braunen Dreieck. Das ist die Southern Scenic Route und der Catlins Coast Trail. Viel besser, als einfach stupide die Hauptstraße zu fahren! Okay Dude, das mache ich!

Noch in Dunedin habe ich mir einen Strand namens St. Clair Beach angeschaut und mir gedacht: Das geht ja gut los! Ich war keine 5km gefahren und stand schon wieder an einem Wellenbrecher hoch 10. Naja, so wird es ja nicht permanent weitergehen. Oder doch? Und ob! Das war nur ein kleiner Vorgeschmack!

Tunnel Beach

Meinen ersten größeren Halt (neben all den Kleinen, die man immer mal macht, weil die Aussicht einfach Bombe ist) war Tunnel Beach. Ein 30-minütiger Walkway. Kurz den Weg angeschaut und die Entscheidung pro Wanderschuhe getroffen. Zeitgleich mit mir ist eine Familie angekommen und die hatten die gleiche Idee. Es stellte sich raus, dass sie aus der Pfalz kommen und so schnackt man dann eben während man abwärts zum Strand läuft, bis man um die Ecke biegt und alle wie auf ein Kommando still sind. Warum? Darum!

Tunnel-Beach

Das ist der erste Blick, den man auf diese Kulisse bekommt. Und wahrlich nicht der Letzte! Die Wellen tosen, die Möwen kreischen aber all das spielt keine Rolle, weil die Szenerie dich komplett gefangen hält!

Tunnel-Beach

Es ist einfach nur WOW. Die Felsformationen sind so surreal und durch den Tunnel im Fels klatscht das Wasser aus verschiedenen Richtungen an die Küste, macht ohrenbetäubenden Krach und die Gischt spritzt meterhoch. Und dann gibt es noch eine Treppe, die als Tunnel in den Felsen geschlagen wurde, so dass man hinunter an eine Bucht kann. Ach was erzähl ich eigentlich. Hier sind die Bilder von Tunnel Beach. Sagen wahrscheinlich mehr als 1000 Worte…

Weiter geht es entlang unzähliger Strände. Wirklich unzählig. Du landest einfach an einem Strand, weißt nicht, wie er heißt aber letztlich spielt das auch keine Rolle, weil…

New Zealand Beach

Wen interessiert es da noch, wie dieses Ding heißt? Mich nicht wirklich…

Der nächste Strand hatte dann zumindest wieder einen Namen, den ich mir irgendwie merken konnte: Brighton Beach!

Brighton Beach

Weiter ging es und wieder vorbei an zig Stränden – einer schöner als der andere. Aber was willst du machen? Du kannst ja nicht alle 500 Meter ran fahren und Pause machen. Ab und zu konnte ich aber nicht anders, als zumindest ein Bild zu knipsen oder zu filmen. Und jeder Strand, den du links liegen lässt tut trotzdem so weh!

Video: Auf der Southern Scenic Route durch die Catlins Teil 1

Es ist so viel. Es ist einfach zu viel, um jedem Strand und jeder Bucht die Aufmerksamkeit zu schenken, die er/sie eigentlich verdient hätte. Ich habe für die ersten 35km ganze 4 Stunden gebraucht! Wie will ich da jemals in Invercargill ankommen? Also Augen zu und dem Delfin die Sporen geben. Der will nämlich auch immer ans Wasser der kleine Schlingel…

Und auch wenn es kein Strand ist: Die Landschaft ist eigentlich permanent beeindruckend. Du schaust aus dem Fenster und merkst gar nicht, dass du seit 5 Kilometern auf einer Schotterpiste unterwegs bist, die die Kiwis mal mit 100km/h deklariert haben. Und bloß nicht schneller fahren, gelle! Mach ich Chef. So lange ich nicht so lustig aus der Wäsche glotzen muss wie diese Kollegen hier ist mir alles recht! (nix gegen euch persönlich, ich hab euch lieb ihr Wollemonster!)

Schafe Neuseeland-2

Die abenteuerliche Schotterstraße hat mich schließlich nach Toko Mouth gebracht, wo ich meine erste Nacht verbracht habe. Ein kleiner schöner Campingplatz nahe am Strand, öffentliche Toiletten und das ganze für eine kleine Spende. Läuft! Was nicht so wirklich läuft ist mein einer Reifen. Ich muss dringend mal Luft da rein lassen. Ich brauch ja ohne Ende Sprit! Auf die To-Do-Liste für morgen setzen: Reifendruck checken!

Der Gedanke war gut, aber letztendlich ziemlich jämmerlich. Denn als ich dann am Morgen aufgewacht bin, sah mein Reifen genau so aus:

Reifenpanne

Reifendruck: 0 Bar. Nix gut. Also erst mal Reifen wechseln. Wo ist das Ersatzrad beim Delfin? Das klebt UNTER dem Kofferraum und das muss man von INNEN los schrauben. Gott sei dank haben die mir von Kiwi Cruise Control das gezeigt, weil das hätte ich nie gecheckt. Seltsame Technik, die sich die Japaner da haben einfallen lassen, aber sie funktioniert ganz ordentlich. Ich hab also das Ersatzrad dran geschraubt und dann bin ich mal los gefahren, um irgendwo Empfang für mein Handy und dann damit eine Werkstatt zu suchen. 20 Kilometer. Mit dem Ersatzrad. Über die Schotterpiste. Hallo 15km/h, denn ich hab ja Zeit und so gar keine Lust noch einen meiner Schlappen zu ruinieren!

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Ich hab es dann doch ganz gut geschafft und mein Reifen wurde für 30$ (ca. 20€) repariert. Hatte ein ganz schönes Loch der Arme! Also wieder selbst wechseln und weiter geht die Fahrt!

Die Catlins

Anschließend habe ich den fatalen Fehler gemacht und bin am Kaka Point in die iSite gegangen und habe die Landkarte des Grauens erhalten! Ganze 30 beschriebene Punkte mit sehenswerten Orten sind hier eingezeichnet. Dazu noch die einfachen Symbole, die eine schöne Bucht oder Seeöwen anzeigen. Wie will ich denn damit klar kommen? Ihr überfordert mich! Und hier fiel sofort der Entschluss: Das wird nix in 2 Tagen. Ich verdopple mal, weil die Catlins anscheinend so einiges zu bieten haben!

Nugget Point

So ging es weiter vom Kaka Point zum Nugget Point. Das ist ein alter Leuchtturm, der 1869 gebaut wurde und wenn man mal dort steht weiß man auch warum!

Nugget Point

Da will man eher nicht planlos mit dem Schiff dagegen fahren! Leider kommen die Dimensionen dieser Felsen nicht wirklich zur Geltung, weil ich nichts passendes für den Vordergrund des Bildes hatte, aber ihr könnt mir glauben: sie waren groß!

Direkt neben dem Nugget Point befindet sich Roaring Bay. Hier brüten Gelbaugen Pinguine (ich habe erfahren, dass das die seltensten Pinguine überhaupt sind), aber da es noch relativ früh ist und ich keine 5 Stunden warten möchte fahre ich mal lieber weiter. Schnell noch ein Bild und gut ist!

Roaring Bay

Seelöwen am Cannibal Bay

Weitere Kilometer Schotter liegen vor mir bis ich zu Cannibal Bay gelange. Unterwegs treffe ich auch auf eine freilaufende Kuh, die aber genauso froh ist, wenn unser ungeplantes Treffen vorbei ist wie ich! Cannibal Bay hat seinen Namen von Dr. James Hector bekommen, weil dort in den Dünen menschliche Leichen gefunden wurden! Und angeblich gibt es dort Hooker Seelöwen. Will ich sehen! Und unterwegs habe ich noch einige Franzosen vor der Kuh gewarnt und die haben mir schon gesteckt, dass sie Seelöwen gesehen haben. Also los und taddaaaa da sind sie auch schon!

Jack´s Blowhole

Ich habe noch etwas Zeit und fahre zu einem weiteren Highlight der Catlins: Jack´s Blowhole! Was das ist? Woher soll ich das wissen? Aber das ist an Jack´s Bay und da gibt es auch einen Campingplatz. Die Beschreibung in meiner Karte lautet übrigens wie folgt:

30 minute track to deep blow hole on cliffs 200 metres from the sea.

Kann damit jemand was anfangen? Ich nicht! Aber eine 30 Minuten Wanderung passt mir noch ganz gut in den Kram! Ich laufe also so durch die Landschaft…

Jacks Beach-6

…und egal, ob das Ding jetzt cool ist oder nicht: es hat sich schon mal gelohnt. Und ja, ich gebe es zu: es war cool! Es handelt sich um einen GIGANTISCHEN Riss im Boden und durch ein Loch in den Felsen wird das Meerwasser 200 Meter ins Landesinnere gedrückt. Habe ich so bisher nur im vierten Teil von Fluch der Karibik gesehen, aber noch nie live und in Technicolor!

Jack´s Blowhole

Und wie gesagt: auch die Umgebung war sehr schön also habe ich hier für die Nacht mein Lager aufgeschlagen. Mit mir ein Pärchen aus Polen und ja, an Jack´s Bay gibt es ebenfalls Gelbaugen Pinguine. Die sind super selten und mega schüchtern. Und ich hatte mir ausgeheckt, dass ich mich da leise in den Dünen auf die Lauer lege. Meine Nachbarn haben sich gedacht, dass sie da mit Taschenlampen und laut plappernd hin laufen und alle bis auf die Knochen erschrecken. War also wieder nix mit den Pinguinen…

Was solls. Müde bin ich geh zur Ruh…und hoffe, dass ich mit vier vollen Reifen aufwache…klappt!

Island Lullaby

Purakaunui Falls

Mein dritter Tag in den Catlins war der Tag der Wasserfälle! Und so bin ich frühs losgefahren mit dem ersten Ziel: Purakaunui Falls! Eine kleine 10-minütige Wanderung durch den Wald und huiiii

So schön. SOOO SCHÖN! Ich liebe Wasserfälle. Sie haben eine ganz eigene Art der Magie an sich und ich könnte ewig dort stehen bleiben und zuschauen. Aber hey, die Purakaunui Falls sind bei Leibe nicht die einzigen, die ich heute sehen werde, also weiter geht´s!

Matai und Horseshoe Falls

Einige Kilometer weiter (was dank der Schotterstraße doch etwas an Zeit dauert) sind die Matai Falls. Und als ich dort angekommen bin habe ich gesehen, dass es dort noch die Horseshoe Falls gibt. Die sind nicht mal in meiner Karte eingezeichnet. Wieder 10 Minuten durch den Wald und dann komme ich zu den Matai Falls.

Matai Falls

Und nur 2 Minuten weiter: Die Horseshoe Falls!

Horseshoe Falls

So schön. Ich kann es gar nicht oft genug sagen! Ich liebe Wasserfälle! Aber aus Gründen der Abwechslung machen wir jetzt mal was anderes, okay?

Wie wäre es mit…Stränden? Die gehen immer. Papatowai ist ein kleines Örtchen mit einem schönen Strand…

Tahakopa Bay-2

…und außerdem gibt es hier noch eine 2 Stunden Wanderung zu Kings Rock. Ich hab sie verzweifelt gesucht aber nicht gefunden. Stattdessen haben mich die Sandflies gefressen, als ich mir ein Sandwich gemacht habe. Bäh. Diese Dinger sind so aggressiv – das macht keinen Spaß. Dann lieber Strände. Wie wäre es mit Tautuku? Sieht von oben so aus:

Tautuku Bay

Und von unten so

Tautuku Bay-2

Puh es ist echt schwer da fokussiert zu bleiben. Es sind so viele Strände, einer schöner als der Andere. Wie trifft man da eine Auswahl? Eigentlich gar nicht. Man versucht so viele zu sehen, wie nur möglich auch wenn es meistens nur ein kurzer Stop ist. Reinspringen ist ja bei den Temperaturen nicht möglich!

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McLean Falls

Die Cathedral Caves konnte ich mir leider nicht anschauen. Das sind Höhlen im Wasser, die nur bei Ebbe zugänglich sind und nur bei ruhigem Wasser. Und eine ruhige See hatte ich wirklich nicht und deshalb waren die Cathedral Caves leider gesperrt. Also bin ich direkt weiter zum nächsten Wasserfall gefahren: McLean Falls. Benannt nach dem ehemaligen Landbesitzer, der den Weg zu den Wasserfällen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. eine 30-Minuten Wanderung durch den Wald, vorbei an einigen kleineren Fällen und dann steht man da. Spektakulär!

McLean Falls

Irre, oder? Find ich auch!

Curio Bay

Die Fahrt durch die Catlins geht immer weiter und ich bin unterwegs nach Curio Bay. Dort lande ich irgendwie auf einem Campingplatz auf dem ich eigentlich gar nicht sein will. Gott sei Dank ist gerade niemand an der Rezeption, um mich abzukassieren! Ich will nur die Aussicht genießen. Und was für eine Aussicht das war! Es ist eine Landzunge und rundherum klatschen meterhohe Wellen an die Küste. Die Gischt schlägt teilweise locker 10 Meter in die Höhe. Kein Scherz!

Curio Bay-8

Als Scherz empfand ich eher die Surfschule dort vor Ort. Wer geht hier bitte surfen?

Zeit das mal alles zu verdauen! Schlafen an Weirs Beach!

Slope Point

Tag vier und ich fahre zum südlichsten Punkt der Südinsel Neuseelands – dem Slope Point. Es ist irgendwie ganz lustig, weil man quer über eine private Schafsweide laufen muss mit dem Hinweis, sich an den gelben Markierungen zu orientieren. Ich habe keine Einzige gesehen, bin einfach stur zum Strand gelaufen und dann etwas nach links. Und dann war ich auch schon da!

Weiter südlich als hier ist nur noch Steward Island. Und dann kommt der Südpol. Irgendwie ein komisches Gefühl als Bewohner der nördlichen Halbkugel so weit im Süden zu sein. Kurz durchatmen und zurück zum Auto, ich habe noch zwei Sachen auf der Liste, die ich sehen will bevor ich in ein Hostel gehe!

Video: Durch die Catlins Part 2

Waipapa Point

Der Waipapa Point ist irgendwie einem Nicholas Sparks Kitschroman entsprungen. Ein knuffiger Leuchtturm in einer Ultra-Bilderbuch-Kulisse. Glaubt ihr nicht?

Jetzt wahrscheinlich schon, oder?

Schiffswrack in Fortrose

Letzter Stop vor meiner wohlverdienten Dusche: Das Schiffswrack in Fortrose. Ich hatte Glück, denn die Ebbe hat gerade eingesetzt. Aber wirklich sehenswert – ich weiß nicht. Es ist ein alter Holzkahn, der ca. 50 Meter vor der Küste gesunken ist und hier ist das Wasser so flach, dass man bei Ebbe fast zum Wrack hinlaufen kann. Naja, ich war eben da und dann schaut man ja auch nicht weg!

Fortrose Shipwreck

Und dann war es geschafft! Ich habe die Catlins durchquert und bin dann mit Scheuklappen zu meinem Hostel gefahren. Da war erst mal niemand da, was etwas komisch war. Aber ein kurzes Telefonat später kam ich dann rein und konnte erst mal durchatmen!

Das war mal wieder ein Mammut-Artikel nach einer Mammut-Tour. Wer bis hier hin durchgelesen hat: Danke! Muss ich auch mal sagen!

Island Lullaby-2.

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