Tamaki – ein traditionelles Maori Dorf in der Nähe von Rotorua. Ich hatte ja in meinem letzten Artikel schon angekündigt, dass wir dort waren und heute erzähle ich euch von meinen Erlebnissen mit den Maori. Denn ich finde, wenn man in ein Land mit einer solchen Kultur kommt, dann sollte man sich zumindest einmal die Zeit nehmen diese Kultur selbst zu erleben. Und für mich war es etwas, was ich schon seit Beginn meiner Neuseeland Reise machen wollte. Also ab in das Tamaki Maori Village!

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Maori Dorf Tamaki

Tamaki liegt unweit von Rotorua entfernt. Generell gibt es in Rotorua jede Menge Maori Geschichte und noch mehr Maori Dörfer. Wir haben uns aber für dieses Entschieden, da es sich um ein interaktives Erlebnis handelt und nicht um eine One-Way Kommunikation. In unserem Hostel in Rotorua haben wir auch einen sehr guten Discount auf die Buchung erhalten, so dass wir lediglich 80$ pro Person gezahlt haben. Das hält sich dann auf jeden Fall in Grenzen!

Um 17:30 Uhr sind wir dann in Rotorua in den Bus gestiegen und nach Tamaki gefahren. Der Busfahrer war ein ziemlich lustiger Maori, der selbst der Familie des Dorfes angehört. Und da Kultur nunmal Kultur ist und die Maori natürlich ihre Traditionen haben, die es zu wahren und zu achten gibt, mussten wir erst mal einige Dinge regeln.

Aufgabe Nummer 1: Wählt einen Häuptling für den Bus

Wie jetzt? Einen Häuptling? Ja, denn niemand darf einfach so den Fuß in ein Maori Dorf setzen. Als erstes gibt es den „Te Wero“ – die Herausforderung – zu bestehen. Es gibt ein Powhiri (eine formelle Begrüßung) und bevor man das Maori Dorf betreten darf, muss der Gastgeber eine Friedensmitteilung senden. Wenn nicht…

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Drei Krieger werden aus dem Dorf geschickt, die versuchen die Ankömmlinge durch Bedrohungen zu vertreiben. Dabei fuchteln sie wie wild mit ihrem „Tahaha“ (ein traditioneller Speer) in der Gegend herum, hüpfen, schnauben und strecken natürlich immer wieder die Zunge heraus. Typisch Maori eben!

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Lässt sich der Häuptling unseres Busses nicht einschüchtern gibt es irgendwann ein „Teka“ – ein Friedensangebot. Sobald dieses erteilt wurde dürfen die Gäste dann in das Dorf eintreten und müssen nicht mehr damit rechnen auf Maori Art zu den Göttern geschickt zu werden!
Vorher gibt es aber noch diese süße Maori Begrüßung, das Hongi. Dabei geben sich die Gegenüberstehenden die rechte Hand. Die Linke Hand wird auf die Schulter des Anderen gelegt und dann berührt man sich mit der Nase an der Nase. Oh Gott das ist echt knuffig und ich werde in Zukunft JEDEN so und nicht anders Begrüßen. KIA ORA!!!

Das Maori Dorf

Nachdem unser Häuptling (übrigens ein Brasilianer mit grünen Haaren) das Te Wero überstanden hatte ging es also hinein nach Tamaki. Und ich muss sagen, dass das alles super gut organisiert war. Es gab verschiedene Stationen, an denen wir von verschiedenen Angehörigen der Familie die Traditionen der Maori erzählt bekommen haben und dann auch selbst ausprobieren durften. Oder mussten.

Gleich bei der ersten Station ging es um ein traditionelles Stockspiel der Maori. Hierbei stehen vier Personen im Viereck und haben jeweils einen Stock. Es gibt Kommandos und man muss den Stock stehen lassen und entweder nach links oder nach rechts laufen (je nach Kommando) und den Stock erreichen, bevor er umfällt. Da das alles interaktiv war wurden Alex, ich und noch zwei andere gleich mal auserwählt das zu demonstrieren!

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Ich weiß nicht warum, aber ich werde bei so was immer ausgewählt. Warum eigentlich? Als wir unsere Herr der Ringe Tour nach Edoras hatten, musste ich auf das Satelliten Telefon aufpassen. Und auch bei anderen Sachen werde ich gerne gewählt. Naja. Normal war das auch kein Problem, denn da war Alex noch nicht dabei. Denn was hat der Schlawiener natürlich gemacht? Ich musste zu seinem Stock und er hat ihn einfach mal umgeworfen, als er in seine neue Ecke gelaufen ist. Andy, sie sind raus. Damnit!

Den Haka mit Maoris tanzen

Weiter ging es an der nächsten Station mit Maori Webkunst. Hier wurde uns erklärt, wie die Maori die verschiedenen Pflanzen verwendet haben, um daraus Fasern zu gewinnen aus denen sie alles Mögliche erstellt haben. Kleidung beispielsweise oder auch Körbe und andere Güter. Ich gebe zu, dass ich von meiner Niederlage noch so erschüttert war, dass ich nicht allzu viel mitbekommen habe, aber zumindest musste ich keinen Korb flechten. DAS wäre richtig peinlich geworden!

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Nächster Halt: Trainingsparcour. Hier lag ein langer Stock in der Mitte an dem quer andere Stöcke im 90 Grad Winkel abstanden. Wie eine Leiter, an der die Sprossen nur an einer einzelnen Planke angebracht wurden (ich hoffe ihr könnt das irgendwie nachvollziehen…). Um Schnelligkeit und Koordination zu trainieren, mussten die Maori Krieger diesen Parcour durchrennen und zwar in verschiedenen Figuren. Laufend, hüpfend, vorwärts und rückwärts und mit Drehungen. Und wer dabei einen Stock mit dem Fuß berührt hat, der hat den Stock dann wohl auch an anderen Körperteilen zu spüren bekommen. Und zwar auf die schmerzhafte Weise!

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Und dann kam er: der Haka! Was ist denn ein Haka? Natürlich der traditionelle Kriegstanz der Maori. Man kennt ihn hauptsächlich daher, dass die All Blacks (das ist das gefeierte Rugby Team Neuseelands) diesen Haka vor jedem Spiel aufführen. Und ganz ehrlich: Wenn ich als Gegner da stehen würde und diesen Tanz sähe würde ich wahrscheinlich sagen: Trainer, ich geh heute auf die Bank!

Wer war natürlich dabei? Ich. Diesmal aber freiwillig! Ich finde den Haka cool und wollte ihn schon lange mal machen. Ich hab keine Ahnung, aber sich ein bisserl auf die Schenkel klopfen, schreien und die Zunge raus strecken – das sollte zu machen sein. Ich geb zu: Ich war schlecht. Aber macht nix, denn ich habe mit Maori Kriegern einen Haka getanzt. Wer kann das schon von sich behaupten? Eben!

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Anschließend gab es noch eine weitere Station zum Thema Maori Kunst. Hier ging es um die verschiedenen Bedeutungen der Gesichtstättowierungen (die ziemlich fies aussehen!) und auch um Maori Schnitzerei. Grundsätzlich ziemlich spannend, aber ich hatte einen doofen Platz und so hab ich nicht allzu viel gehört. Macht nix. Jetzt geht es erst mal zum Hangi!

Maori Essen? Sagen wir: gewöhnungsbedürftig!

Das Festessen der Maori heißt Hangi. Und es wird ziemlich seltsam gekocht. Nämlich normalerweise (sofern vorhanden) in einer natürlichen heißen Quelle. Lecker Schwefel Geruch und Geschmack also. Was aber tun, wenn man keine eigene Heiße Quelle hat? Naja, dann nimmt man eben Steine und erhitzt sie. Auf diese Steine kommen dann Körbe mit Essen. Unten das Fleisch (das braucht ja am längsten), danach das Gemüse und oben dann die Nachspeise. Das alles wird schnell mit Leinensäcken abgedeckt, damit die Hitze nicht entweichen kann und gart dann so 2-3 Stunden vor sich hin. Und wird lecker eingeschwefelt. Und ich habe gebetet, dass es nicht so schmeckt, wie es riecht…

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Tänze und Lieder der Maori

Nachdem wird gesehen haben, wie das Essen also im Hangi zubereitet wird ging es in das „Wharenui“ – das große Haus. Hier wurden uns dann traditionelle Maori Lieder und Tänze aufgeführt und das war so beeindruckend, dass ich hier gar nicht viel schreibe, sondern euch das in Bewegtbildern zeige.

Auch wunderschön: Ein Poi Tanz der Maori Frauen

Man kann an den Tänzen schon sehen, dass die Maori nicht nur Krieger waren, die die Zunge herausgestreckt haben, sondern eigentlich aus kleinen Inseln im Pazifik nach Neuseeland kamen. Es ist den Tänzen auf Hawaii nicht unähnlich und die Musik strahlt auch eine Menge Freude aus. Dieser Teil hat mich wirklich beeindruckt und hat mir sehr gut gefallen. Auch, dass die Jungs und Mädels wirklich alle richtig richtig gut singen konnten. Mehrstimmig und so. Wie gesagt: Sehr beeindruckend!

Und dann kam noch mal ein Haka. Diesmal aber nicht der einfache Haka, den auch die All Blacks machen (der „Ka Mate“), sondern ein längerer und anderer Haka. Wie gesagt: Wenn man das sieht hat man keine Lust gegen diese Jungs zu kämpfen. Egal ob auf dem Schlachtfeld oder ob auf dem Spielfeld. Brrrr!!!

Video: Der Haka

Hangi – das Festessen

Und schon ging es in den Speisesaal, wo uns das Festessen aus dem Hangi serviert wurde. Und meine Gebete wurden nicht erhört. Es schmeckte so, wie es gerochen hat. Nach Schwefel, Erde und Dreck. Aber gut, das ist nunmal Tradition. Das können die ja auch nicht ändern und es ist besser das zu bekommen, als Burger oder Hähnchenteile vom KFC! Bitter war nur, dass wir mittags schon bei einem richtig RICHTIG schlechten Asiaten waren und beide Hunger hatten. Den hatten wir allerdings nach dem Essen immer noch, denn obwohl es ein All-You-Can-Eat Buffet war, haben wir nicht so wirklich zu geschlagen…

Mit dem Bus (oder dem Waka – Floß) ging es dann nach über 3 Stunden wieder zurück ins Hostel und unser Maori Abend in Tamaki war zu Ende. Ich fand es richtig gut. Ich mag solche Veranstaltungen normalerweise nicht, weil es so einen bitteren „Los Affe, tanz für mich“ Geschmack hat. Aber in Tamaki hatte ich nie das Gefühl, dass die Leute keine Lust haben das zu tun was sie machen. Sie waren eher stolz ihre Kultur anderen zu zeigen und so zu vermitteln, wie ihre Vorfahren gelebt haben.

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Die Organisation war exzellent und alles war wirklich gut durchgeplant. Man könnte meinen, die machen das schon seit Jahren jeden Abend! Wenn ihr je nach Neuseeland kommt, lasst es euch nicht entgehen. Es gibt wie gesagt mehrere Maori Dörfer rund um Rotorua, die auch tagsüber „Shows“ machen. Man muss ja nicht unbedingt das komplette Programm erleben, wie wir es getan haben, aber zumindest einmal die Tradition der Maori zu erleben – das ist eigentlich Pflicht!

Bilder vom Tamaki Maori Village

Der Haka

Der „normale“ Haka, den unter anderem auch die All Blacks tanzen heißt „Ka mate“ und geht so:

Ka mate, ka mate! ka ora! ka ora!

Ka mate! ka mate! ka ora! ka ora!

Tēnei te tangata pūhuruhuru

Nāna nei i tiki mai whakawhiti te rā

Ā, upane! ka upane!

Ā, upane, ka upane, whiti te ra!

Maori – Deutsch

So und jetzt noch ein paar Maori Wörter, die ich hier auf meinem Zettel stehen habe:

Kia Ora – Hallo, Willkommen, Auf Wiedersehen, Gute Reise
Hangi – Erdofen, Festessen
Hongi – Willkommensgeste, das Berühren der Nasen
Waka – Transportmittel, Floß
Korotiwaka – Führer, Busfahrer
Ngatta Tama – der Maori Stamm, der in Tamaki lebt
Manuhiri – Gast, Besucher
Wharekai – der Speisesaal
Te Wero – die Herausforderung
Marae – das Dorf
Wharenui – das Große Haus.

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