06 Aug 2015
August 6, 2015

Von West nach Ost

2 Kommentare

Auf der Flucht vor dem Wetter habe ich mich tatsächlich dazu entschlossen von der Westküste wieder nach Osten zu fahren. Das bedeutet ca. 400km, viele Stunden im Auto und Tankstellen, die einfach mal 30 Cent pro Liter drauf schlagen. Klar, man kann seine Position ja auch mal ausnutzen. Schweine!

Über den Lewy Pass nach Osten

Von Westport aus bin ich also gestartet mit dem groben Ziel Christchurch. Da ich quer über die Südalpen muss habe ich mich für den Lewy Pass entschieden. Dieser ist zwar nicht ganz so hoch und spektakulär wie beispielsweise der Arthur´s Pass, aber dafür spart man sich ja etwas Sprit (alter Knauser!) und ich komme weiter nördlich raus als bei den Alternativen. Und wenn man sich um eines auf jeden Fall keine Sorgen machen muss, dann dass es vielleicht langweilig und landschaftlich uninteressant werden könnte. Nicht hier – nicht in Neuseeland. Selbst bei schlechtem Wetter!

Man fährt durch insgesamt drei Nationalparks: Den Paparoa National Park, denn Victoria Fores Park und schließlich noch durch den Lake Sumner Conservation und Forest Park und auch wenn man zwischen 3 und 4 Stunden unterwegs ist wird die Fahrt eigentlich nie langweilig. Und das schlechte Wetter bleibt auch irgendwann hinter dir, die Wolken reißen auf und die Sonne kommt raus. Sensationell!

Grey River Campsite

Für die Nacht habe ich mir den Grey River Campsite ausgesucht. Irgendwo weit in der Wildnis, weg von der Zivilisation. Genau das Richtige! Und dann schaut man bei Camper Mate nach und sieht:

grey river campsite_-2

Sauber. Ein Walk, Spaziergang, den mach ich morgen direkt. Aber erst mal auf den Platz kommen. Mein Navi sagt: noch 15 Kilometer. Und das Schild da vor mir sagt: Gravel Road. Na klasse. 15 Kilometer Schotterpiste. Beste! Und kurz vor dem Ziel stellst du dir die Frage: Soll ich´s wirklich machen oder lass ich´s lieber sein?

grey river campsite_

Wirklich vertrauenswürdig sah diese Brücke zumindest nicht aus, aber sie hat gehalten. Der Campingplatz war auch wie so oft komplett leer. Ich also mal den Magic Van geparkt und dann habe ich gesehen, dass es noch einen weiteren Platz gibt, wenn man über die Wiese etwas nach hinten fährt. Und der Platz ist schön geschützt – ich weiss nicht vor was, aber ich hatte die dumme Idee umzuparken und auf den anderen Platz zu fahren.

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Und was passiert? Na klar, es hat ja den ganzen Tag geregnet. Du bleibst stecken. Der Magic Van dreht durch. F******CK! Du bist am Ende der Welt und nix geht mehr. Was aber jetzt? Vorwärts, rückwärts, Schwung holen, Schalten und aufschaukeln. Irgendwann bin ich dann aus meiner selbstgegrabenen Mulde raus gekommen aber dann ging der Weg natürlich nicht gerade aus, sondern schön kurvig. Augen zu und durch und puh, ich bin auf dem hinteren Platz angekommen. Aber da bleib ich nicht, weil dann gehts mir morgen ja wieder genau so. Also auf der anderen Seite raus. Denkste, da haben sie dicke Steine in den Weg gelegt. Heißt also: Ich muss da raus, wo ich rein bin. Wie Klasse…Ich bin dann in einem Schwung wirklich durch gerauscht und hab bitter geschwitzt aber es hat alles gepasst!

Und als ich mich dann ganz entspannt in den Magic Van gesetzt hab und die Gitarre ausgepackt hab kam dann wirklich noch ein anderes Auto an. Zwei Jungs, Max und Dominik aus der Pfalz. Baujahr 95 und 96. Ach ich liebe es. Und schaut der Dominik nicht wirklich begeistert?

Mount Grey-1

Auf jeden Fall hatten die Jungs mal ein paar Dosenbier dabei und so haben wir uns um eine Lampe gesetzt (Feuer ist ja verbooooten) und bis in die Nacht (also bis halb 10) gequatscht. Das liebe ich am Reisen: Man lernt so viele Leute kennen. Junge, alte, aus Deutschland und dem Rest der Welt. Und man setzt sich einfach entspannt zusammen und unterhält sich. Ohne Vorurteile, Ressentiments oder sonst was. Jeder ist gleich, jeder ist dreckig und jeder stinkt. Und niemanden interessierts! Und dann hab ich den Jungs noch die Milchstraße gezeigt. Jo, so sieht man sie in Deutschland halt einfach nicht!

Milkyway New Zealand

Mount Grey Walk

Und weil wir ja jung und frisch sind haben wir am Abend noch ausgemacht, dass wir am nächsten Tag auf den Mt Grey laufen. Kilometerzahl gibts nicht, aber 3 Stunden sollten ja machbar sein. Ich weiß nicht warum, aber ich hab irgendwie nur 2 Bananen mit genommen. Normalerweise packe ich immer so viel Brotzeit ein, dass ich mehr Kalorien aufnehm als verbrenne. Warum diesmal nicht – keine Ahnung. Die Jungs hatten gar nichts dabei und haben sich noch gefragt, ob sie ein Wasser brauchen? Ja, das solltet ihr schon mit nehmen!

Und wenn man sich noch mal anschaut, was der User oben in seinem Kommentar geschrieben hat, so kann ich nur zu 100% widersprechen! Es ist sicher kein Spaziergang gewesen! Der Weg war wild und ungepflegt. Umgestürzte Bäume, Schlamm, Matsch, steil, Geröll, auf und ab und als Krönung kam nach ca. 1,5 Stunden der hier:

Mount Grey-2

Brücke? Fehlanzeige. Also Schuhe aus und durchlaufen. Sind ja nur so 5 Meter, das sollte schon machbar sein. Fuß ins Wasser…huiii Gletscherwasser. Naja, ist halt eine gute Kneipkur. Und was macht der Andy? Klar: er tritt auf den glitschigsten Stein den er findet! Und schon hats mich halb ins Wasser gelegt. Kruzifix Sakrament Halleluja sog i! Warum immer ich? Ich hab vorher noch gesagt: Macht euch keine Sorgen Jungs, wenn´s hier jemanden rein ledert dann mich! Hose nass, Ärmel nass. Und nicht nur nass sondern einfach affenkalt kalt kalt! Gott sei Dank konnte ich mich noch auf einem Stein aufstützen sonst wär ich komplett drin gelegen und mit mir Kamera, GoPro (die leider leer war – deshalb diesmal kein Video..), Handy, alles. Außen voller Wasser, innen voller Adrenalin. Mei, so bin ich halt. Tollpatsch und so…

Mount Grey-12

Aber auch das soll uns nicht aufhalten. Viel schlimmer war nach so 2 Stunden der Unterzucker und die Erkenntniss, dass die angezeigten 3 Stunden wohl die „einfache“ Strecke sind und nicht wie normal der gesamte Weg. Sauber. Wir standen mehr als ein mal da und waren kurz davor die Flinte ins Korn zu werfen aber letztlich haben wirs durchgezogen und sind bis nach oben gelaufen. Wie gesagt: die einfache Strecke dauert 3 Stunden. Und davon läufst du ca. 2:45 im Wald und denkst dir: wehe da gibts keine Aussicht!

Und es ist wie immer: Du brichst durch die Baumgrenze und hältst erst mal die Luft an. Dieses Land ey…

Und das war dann tatsächlich bei all meinen Versuchen der erste Gipfel den ich in Neuseeland bei gutem Wetter erreicht habe! Also erst mal Bilder knipsen, den Gipfelstolz genießen und ein gute Laune Gipfelselfie muss doch drin sein. Komm schon Dominik, lach doch mal!!!

Mount Grey-14

Na gut, dann halt nicht. Ist ja gut…

Das Panorama ist schon krass! Vor dir hast du das Meer und hinter dir die Südlichen Alpen. Ich habe auf Google+ mal 2 Photospheres hochgeladen. Das sind 360° Bilder, in denen man wie bei Google Street View durch das Bild scrollen kann. Früher konnte man die Beiträge einbetten aber entweder geht das nicht mehr oder es wird mir einfach nicht angezeigt. Deshalb hier einfach die Links:

Aber keine Zeit verlieren: Wir haben nix zu Essen und Mr. Unterzucker ist kein spaßiger Vogel. Runter gehts. Und dann kommt irgendwann der Punkt wo du merkst, dass deine Konzentration total am Ende ist und du irgendwie nur noch läufst. Und bei Geröll absteigen ist einfach das Letzte. Und dann kommt da ja noch der Fluss. Da war doch was…aber ich habs diesmal ohne Pirhouette geschafft und bin trocken ans andere Ende gekommen.

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Dafür hat es Dominik unterwegs dann so ungefähr 5x auf den Hintern gelegt, Max mit seinen Sneakern ist auch mal einen Absatz runter gerutscht und ich hab einmal so das Gleichgewicht verloren, dass ich seitlich einfach in die Büsche gefallen wär, wenn Max mich nicht gehalten hätte. Merke: Gehst du Wandern nimm dir Essen mit. Und hör nicht auf Camper Mate Kommentare. Spaziergang. Ne wirklich nicht. Zitat des Tages kam von Dominik:

Das ist glaub ich das Anstrengendste was ich je gemacht hab

Gut, so schlimm wars jetzt nicht, aber: Nuff said!.

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2 Responses to Von West nach Ost
  1. Und nun stell dir vor, du eierst vorsichtig mit Bergschuhen begleitet einen Berg herunter, bei dem der Weg NUR aus glitschigen Steinen und Geröll besteht, während eine norwegische Schulklasse leichtfüßig und nur mit einfachen Sneakern begleitet leichtfüßig an dir vorbei nach unten sprintet. 😀

    • Haha ja das erinnert mich glatt an den Rinjani, als die Träger durch die Wassermassen mit ihren Flip Flops gelaufen sind, geraucht haben wie Wilden und es irgendwie das Normalste der Welt war… 🙂


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